Ja zu Bildungsqualität stärken – Nein zur schädlichen SVP-Initiative
Grossrat Alain Burger erklärte die Initiative «Bildungsqualität sichern», während Mehmet Dogan, Kandidat für das Bezirksgericht Zurzach, sich der SVP-Initiative annahm bzw. sie auseinandernahm.
Bildung – Das Fundament für den Werkplatz Schweiz
André Rehmann, Klingnau und demnächst SP-Grossrat, begrüsste erfreut das interessierte Publikum zwischen 25 und bald 80 Jahren, die meisten jedoch im jüngeren Spektrum: ein gutes Zeichen für die SP Zurzibiet! SP-Grossrat Alain Burger, selbst als Berufsschullehrer im Bildungsbereich tätig, leitete über zum ersten Themenblock: Der Initiative: «Bildungsqualität-sichern», die nicht etwa von Parteien ausging, sondern von den Lehrkräften selbst und ihrem Verband: «Bildung Aargau», früher unter dem Namen alv – Aargauischer Lehrinnen- und Lehrerverband bekannt. Es sind also Lehrpersonen selbst, die an vielen Orten Mankos im Bildungswesen vom Kanton Aargau orten: zu wenig qualitativ gut ausgebildete Lehrkräfte; zu grosse Klassen mit zu wenig Unterstützung im Unterricht; administrative Entlastung der Lehrpersonen, um sich voll auf ihren Kernauftrag zu konzentrieren, nämlich die Bildung von Schülerinnen und Schülern, zu wenig Chancengleichheit für Kinder aus weniger bemittelten Familien.
Bildung als Verfassungauftrag
Darum fordert die Initiative, Bildungsqualität in der Verfassung festzuschreiben, als Grundlage für einen starken Aargau. Denn gute Bildung schafft Chancen für Kinder und Jugendliche, hilft gegen den Fachkräftemangel, stärkt unsere Demokratie und unseren Kanton Aargau. – Die anschliessende Diskussion zeigte, wie vielen von uns das Thema unter den Nägeln brennt als Eltern und Grosseltern, Tätigen im Bildungsbereich und in der Wirtschaft. Sehr zu denken gibt, dass der Kanton Aargau ins Minus gerät beim ehemals vom Bund formulierte Ziel: 95 % aller Schulabgängerinnen und – abgänger sollten einen Abschluss haben mit einer Berufslehre oder weiterführenden Schulen. Im Kanton Aargau sind es heute nur noch 91 %, Tendenz sinkend mit gravierenden Folgen: Weniger Fachkräfte, mehr Armutsgefährdete, mehr Arbeitslosigkeit, mehr Kosten für die Gemeinden. Darum verdient diese Initiative eine kräftige Unterstützung mit einem Ja.
Die SVP-Chaos-Initiative: Ohne Antworten auf wirkliche Probleme
Als angehender Jurist ging Mehmet Dogan, gebürtiger Zurzacher, die Initiative der SVP analytisch an: Wie soll gemäss der Initiative das Bevölkerungswachstum begrenzt werden? Darauf gibt sie mit der zahlenmässigen Begrenzung keine wirkliche Antwort, sondern schürt Ängste – Ängste vor Dichtestress in den Zügen, Stau auf den Autobahnen, zu wenig Wohnraum. Schuld sei die Zuwanderung aus dem Europäischen Raum, Schuld seien die Asylantinnen und Asylanten. – Niemand negiert, dass die Schweizer Bevölkerung während der letzten zwanzig Jahre sehr gewachsen ist – dieses Wachstum aber auch mit unserem Wohlstand zu tun hat und vor allem mit unserem Fachkräftemangel! Die Initiative würde vor allem im Pflegebereich ins Chaos führen: Im Spital, Altersheimen, Spitex sind heute schon mehrheitlich Personen mit einem ausländischen Hintergrund tätig und machen ihre Arbeit sehr gut. Genauso in der Wirtschaft: Ohne Fachkräfte aus dem näheren Ausland ist unser Wohlstand nicht zu haben. Und der Asylbereich hat damit nur wenig zu tun: Knapp 10 % der Zuwanderung besteht aus Asylsuchenden, Tendenz sinkend.
In der anschliessenden, sehr engagierten Diskussion war man sich klar: Diese Initiative löst kein einziges Problem, es gibt keinen einzigen Platz mehr im Zug, keine Pflegeperson mehr im Altersheim, keinen Kilometer weniger Stau auf der Autobahn. Was sehr zu denken gibt: Das dahinterstehende, verachtende Menschenbild – Menschen kann man wieder umherschieben, Familien werden wieder auseinandergerissen – wollen wir tatsächlich wieder in Zeiten zurückfallen, als es in der Schweiz den Saisonnierstatus gab? Darum war man sich einig: Diese Initiative verdient ein entschiedenes NEIN!